5 Krankheiten, gegen die Drogen helfen können

Cannabis auf Rezept gibt es zwar bereits seit 2017, aber viele Ärzte haben Vorbehalte dagegen bzw. trauen sich nicht, es zu verschreiben. Nichtsdestotrotz gibt es auf der anderen Seite immer wieder Versuche von Medizinern, schwerwiegende Erkrankungen mit schwerem Geschütz zu bekämpfen – angefangen beim „Pferdebetäubungsmittel“ Ketamin gegen Depressionen bis hin zu LSD bei Angststörungen. Welche Möglichkeiten, aber auch Probleme, es beim therapeutischen Einsatz von Drogen gibt, erfährst du hier.

Depression

Die Grenze zwischen Drogen und Medikamenten

Auch wenn die Trennung zwischen Drogen und Medikamenten für viele intuitiv ganz klar ist (das eine berauscht und das andere heilt), sind die Grenzen oftmals fließend. Zum einen wurden viele Substanzen, die heute als Drogen eingestuft werden, früher als Medikamente genutzt (zum Beispiel Heroin irrtümlicherweise als sanfte Alternative zu Morphin). Zum anderen gibt es auch unter den „normalen“ Medikamenten solche, die dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen.

Die Gefahr von Kopfschmerztabletten & Co.

Hinzu kommt: Selbst die gängigen Medikamente, die man in der Apotheke bekommt, sind nicht per se ungefährlich. Nicht nur Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten können zur Gefahr werden, auch der regelmäßige Gebrauch scheinbar harmloser Medikamente wie Schmerzmittel und abschwellender Nasensprays kann zur Sucht und zu körperlichen Schäden führen.

Paracetamol Packaging

Erkrankungen, bei denen Drogen eingesetzt werden

Trotz all der Vorbehalte, die man auch gegen zugelassene Medikamente haben kann, gibt es natürlich gute Gründe dafür, dass zum Beispiel Cannabis nicht rezeptfrei zu kaufen ist und Mediziner für die Anwendung anderer Drogen Ausnahmegenehmigungen einholen müssen, um sie bei folgenden Krankheiten anzuwenden.

1.) Schmerzen und Spastiken

Die aus Cannabis gewonnenen Cannabinoide haben eine schmerzstillende und entkrampfende Wirkung, die sie beispielsweise für Menschen mit Multipler Sklerose oder nach einer Strahlentherapie bei Krebs prädestiniert, sofern gängige Schmerzmittel bei ihnen nicht mehr wirken.

2.) Konsumierende Erkrankungen

Erkrankungen wie Krebs, chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und HIV gehen mit einem raschen und dramatischen Gewichtsverlust einher. Man bezeichnet sie deshalb auch als „konsumierende Erkrankungen“. Da die Patienten häufig auch unter Appetitlosigkeit leiden, werden sie zusätzlich geschwächt. Als effektives Gegenmittel gegen diesen Appetitmangel hat sich der Cannabiswirkstoff THC herausgestellt.

 
 
 
 
 
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3.) Schwere Depressionen

Es gibt Formen von schweren Depressionen, die nicht (mehr) auf die klassischen Therapien (Antidepressiva, Psychotherapie) ansprechen. Als alternativer Wirkstoff wird hier in den USA schon in größerem Umfang und in Deutschland im Rahmen von Studien das Narkose- und Pferdebetäubungsmittel Ketamin eingesetzt. Es hat den großen Vorteil, dass es – anders als Antidepressiva – sofort und nicht erst nach Wochen seine Wirkung entfaltet. Allerdings gibt es auch einige Faktoren, die gegen Ketamin sprechen: 1. Als Nebenwirkung können Halluzinationen auftreten. 2. Es gibt keine Erkenntnisse über Langzeitwirkungen. 3. Es kann süchtig machen.

4.) Posttraumatische Belastungsstörungen

Ähnlich wie bei Patienten mit Depressionen, die nicht auf Psychopharmaka und Psychotherapie ansprechen, gibt es auch bei Posttraumatischen Belastungsstörungen Versuche mit – gelinde gesagt – unkonventionellen Mitteln. Man hat zum Beispiel mit MDMA, das auch in Ecstasy enthalten ist, gute Ergebnisse bei Betroffenen erzielt, die unter traumatisierenden Erlebnissen wie Vergewaltigungen oder Unfällen leiden. Unter dem Einfluss der Droge wird für die Erkrankten erstmals eine Auseinandersetzung mit dem belastenden Erlebnis möglich und sie können sich auch dem therapeutischen Gespräch besser öffnen.

Ecstasy

5.) Angststörungen

Der Schweizer Psychiater Dr. Peter Gasser hat bei einigen seiner Patienten, die unter Angststörungen leiden, erfolgreich LSD angewandt. Die bewusstseinsverändernde Wirkung der Droge kann zum Beispiel Betroffenen mit sozialen Ängsten dabei helfen, sich selbst und ihre Ängste in einem anderen Licht zu sehen. Allerdings lässt sich das nicht für alle Arten von Ängsten verallgemeinern und es gibt auch Patienten, bei denen LSD gerade die entgegengesetzte Wirkung hat, weil sie zu viel Angst vor der Droge selbst haben.

Was ist der Haken?

Auch wenn bestimmte Drogen bei manchen Krankheitsbildern Erstaunliches leisten können, sind sie keine Allheilmittel. Wie bei normalen Medikamenten auch, muss die Therapie nicht bei allen Patienten anschlagen. Außerdem braucht es erfahrene Ärzte, die wissen, worauf sie bei der Gabe von Drogen zu achten haben. Die Behandlung muss in einem therapeutischen Rahmen stattfinden und ist keinesfalls mit Selbstexperimenten vergleichbar. Und zu guter Letzt können die Drogen gerade bei psychischen Erkrankungen nur ein Hilfsmittel sein, um die Therapie zu unterstützen. Sie helfen dabei, überhaupt erst mal einen Ansatzpunkt für Gespräche zu finden, und können im besten Fall Hemmungen im Verhältnis zum Arzt abbauen. 

Happy doctor

Wie du sehen kannst, gibt es eine ganze Reihe körperlicher und psychischer Krankheitsbilder, bei denen Drogen zwar nicht das Mittel der Wahl sein sollten, aber der letzte therapeutische Ausweg sein können. Um herauszufinden, welche Drogen dort effektiv helfen können, wo Medikamente versagen, braucht es allerdings Studien und Ärzte, die eine derartige Behandlung ausprobieren.

Nicht umsonst fordert die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin in ihren Leitlinien zu Cannabis ein Umdenken zu einer „patientenzentrierten Medizin“, bei der man sich weniger daran festklammert, welche Medikamente für bestimmte Beschwerden zugelassen sind, sondern sich an das hält, womit dem Patienten am besten geholfen ist – im Einzelfall auch mit Drogen.

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