Eine Frau berichtet über ihren Kampf gegen Endometriose

Fast jede Frau hatte während ihrer Periode schon einmal mit Bauchschmerzen zu kämpfen. Wenn diese jedoch kaum auszuhalten sind und noch andere Symptome dazukommen, könnte eine Endometriose vorliegen. In Deutschland leiden etwa 10 bis 15 Prozent aller Frauen an dieser chronischen Erkrankung – oftmals, ohne davon zu wissen.

Day 205/ache.

Bei Endometriose bildet sich abnormales Gewebe, welches sich außerhalb der Gebärmutterhöhle auf der Gebärmutterschleimhaut ausbreitet und auf Eierstöcke, Blase oder andere umliegende Organe streuen kann. Die gutartigen Tumore können sich oftmals schnell ausbreiten, da bis zu einer exakten Diagnose oftmals viel Zeit verstreicht. Dies resultiert daraus, dass es eine Vielzahl an Symptomen gibt, die es erst richtig einzuordnen gilt. Einige der häufigsten sind:

  • starke und unregelmäßige Menstruationen
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • erhöhte Infektanfälligkeit
  • starke Schmerzen in Bauch und Rücken
  • ungewollte Kinderlosigkeit
  • Verstopfung und Durchfall im Wechsel

Diese Beschwerden haben zur Folge, dass betroffene Personen in ihrem alltäglichen Leben sehr eingeschränkt sind. Da Endometriose zwar behandelt, aber nicht geheilt werden kann, entsteht bei den Betroffenen ein gewaltiger Leidensdruck. Die Amerikanerin Andrea Baines wollte diese Schmerzen sichtbar machen. Dazu schminkte sie sich Verletzungen, welche stellvertretend für die unsichtbaren Wunden stehen sollen.

WARNUNG: Obwohl es sich auf den folgenden Bildern nur um Schminke handelt, könnten sie auf einige Menschen dennoch verstörend wirken.

 
 
 
 
 
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Obwohl sie so weit verbreitet ist, gilt Endometriose offiziell nicht als komplexe, chronische Erkrankung. Das wollen nicht nur Verbände wie pro familia, sondern auch Betroffene wie Andrea Baines mit ihren Bildern, aber auch die Italienerin Michela Masat ändern. Michela leidet seit ihrer Jugend an Endometriose und deren Folgen und möchte auf die Risiken aufmerksam machen sowie über die Erkrankung aufklären.

Michela erzählt in mehreren Facebook-Beiträgen darüber, dass sie sich von Außenstehenden oftmals negative Kommentare anhören muss. Endometriose ist eine „unsichtbare Krankheit“, die von vielen unterschätzt wird, weil man sie nicht auf den ersten Blick sieht. So seien Menschen verwirrt, wenn sie sich tagelang mit Schmerzmitteln in ihrer Wohnung verkrieche und danach lächelnd wieder auf Arbeit erscheine. „Nur weil es für die Augen nicht sichtbar ist, heißt es nicht, dass es nicht existiert“, erklärt die 34-Jährige.

Sie litt schon seit ihrer Pubertät während ihrer Menstruation an starken Schmerzen. Im Jahr 2011 ging sie das erste Mal ins Krankenhaus, weil ihre Schmerzen nicht mehr auszuhalten waren. Dort wurde sie jedoch mit Schmerzmitteln nach Hause geschickt, ohne dass eine Endometriose diagnostiziert worden war. Ihre Schmerzen seien zyklusbedingt einfach sehr schwer. Auch ihre Gynäkologin interpretierte die Beschwerden ihrer Patientin falsch und untersuchte diese nicht weiter.

Im Jahr 2012 begab sich Michela ein weiteres Mal ins Krankenhaus. Dort bekam sie schließlich die Diagnose: Endometriose. Sie war zu diesem Zeitpunkt bereits 26 Jahre alt. Mit der Diagnose begann ihre Odyssee jedoch erst.

Der Chefarzt operierte sie infolge der Diagnose und entfernte Knötchen, die sich im Gewebe des Darms ausgebreitet hatten. Nach der Operation wurden die Schmerzen jedoch nicht besser, obwohl Michela an einem Morphiumtropf hing und weitere Schmerzmittel verabreicht bekam. Sie hatte das Gefühl, dass trotz des Eingriffs etwas mit ihrem Körper nicht stimme. Darauf angesprochen, blockte der Arzt ab und behauptete, die Schmerzen seien Einbildung. Sie solle außerdem froh sein, dass er ihre Gebärmutter nicht habe entnehmen müssen. Er war davon überzeugt, dass er ihre Endometriose geheilt habe.

Das war jedoch nicht der Fall, denn Michela hatte immer noch unter wahnsinnigen Schmerzen zu leiden. Sie suchte sich einen neuen Arzt – einen, der auf Endometriose spezialisiert war. Dieser entfernte 2015 in einer siebenstündigen Operation die meisten Tumore, welche sich auf die umliegenden Organe ausgebreitet hatten. Das hatte zur Folge, dass Teile ihres Darms entfernt werden mussten und sie einen künstlichen Darmausgang, ein sogenanntes Stoma, tragen musste.

Trotz der Befreiung von der Endometriose stürzte sie in eine Krise. Sie brauchte drei Monate, um sich an das Leeren des Stomas und die umgestellte Ernährung zu gewöhnen. In der Anfangszeit musste ihre Mutter ihr im Umgang mit dem Stoma helfen, weil sie nicht die Kraft dafür hatte.

Im Jahr 2016 begann Michela eine Hormonbehandlung, um die Vorgänge in ihrem Körper zu steuern. Gleichzeitig stellte sie einen Antrag auf die Anerkennung einer 75-prozentigen Behinderung. Diese wurde bis heute nicht bewilligt, obwohl sie bereits dreimal Einspruch gegen den Entschluss erhoben hat und nachweislich in ihrem Alltag eingeschränkt ist.

Im November 2018 unterzog sich die junge Frau ihrer nun schon fünften Operation, um ihre Blasen- und Rektalfunktion wiederherstellen zu lassen. Bei diesem Eingriff traten Komplikationen auf, da sich nach der langen Krankheit und den vier vorherigen Operationen viel Narbengewebe gebildet hatte. Nach weiteren Versuchen gelang es am 31. Juli 2019 endlich, einen Neuromodulator zu „installieren“, welcher die körperlichen Prozesse kontrolliert und gegebenenfalls Wirkstoffe in den Körper freigibt.

Seit diesem Tag hat Michela endlich Frieden mit ihrer Erkrankung geschlossen. Sie ist dankbar, dass sie dank der fortgeschrittenen technologischen Entwicklung und des Engagements ihres neuen Arztes ein Stück Lebensqualität wiederbekam. Nicht jeder Krankheitsverlauf von Endometriose muss so schwerwiegend sein, dennoch ist es Michela wichtig, dass Menschen über die Gefahr aufgeklärt werden. Sie sei keineswegs schmerzfrei, könne mittlerweile aber mit den Symptomen umgehen. Sie betont außerdem: „Wir suchen keine Aufmerksamkeit und sind auch keine Hypochonder. Wir versuchen einfach so zu leben, wie es unser Körper erlaubt.“

Auch sie wird am 28. März, dem internationalen Tag der Endometriose, wieder auf die Straße gehen, um dafür zu demonstrieren, dass Endometriose als Behinderung und komplexe Erkrankung anerkannt wird.

Es ist schrecklich, was diese Frau erleben musste. Nicht nur die unsäglichen Schmerzen, sondern auch das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden, quälten sie viele Jahre lang. Um so erfreulicher ist es, dass sie so offen über ihre Krankheit spricht und andere zum Nachdenken animieren möchte.

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