Irrtümer über den Eisprung, die es auch heute noch gibt

Der Menstruationszyklus einer Frau besteht aus den fruchtbaren und unfruchtbaren Tagen und der Periode. Etwa in der Mitte eines Zyklus findet dann der Eisprung statt, das ist also der fruchtbarste Tag im Monat. So weit die Theorie vieler.  

Doch ganz so einfach ist es meist nicht. So fortschrittlich die Medizin und die Kenntnisse über den menschlichen Körper heutzutage auch sind, es kursieren immer noch sehr viele Mythen und Irrtümer über den weiblichen Menstruationszyklus. In diesem Kontext lassen insbesondere die Themen Schwangerschaft und Ovulation viele Frauen mit einem gefährlichen Halbwissen zurück. 

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Um endlich damit aufzuräumen, findest du hier 12 Fakten über den Eisprung, die leider noch viel zu oft geglaubt werden.

Irrtum 1: Vor jeder Menstruation gibt es einen Eisprung.

Wenn Frauen ihre Periode bekommen, bedeutet das nicht automatisch, dass auch ein Eisprung stattgefunden hat. Eine ausbleibende Ovulation kann sich durch einen unregelmäßigen Zyklus bemerkbar machen, muss es aber nicht zwangsläufig. Andersherum bedeutet aber auch eine ausbleibende Regel nicht, dass kein Eisprung stattgefunden hat. Die Menstruation sagt also nicht immer etwas darüber aus, ob regelmäßig ein Eisprung stattfindet.

Irrtum 2: Der Eisprung ist immer am 14. Tag des Zyklus.

Dieser Mythos hält sich auch heute noch hartnäckig. Die meisten gehen davon aus, dass ein normaler Zyklus 28 Tage dauert und der Eisprung somit genau am 14. Tag stattfindet. Allerdings stimmt das so nicht, denn bei den meisten Frauen dauert der Zyklus meist wesentlich länger als 28 Tage. Nur 30 Prozent der Frauen – und zwar die, die mit der Pille verhüten – haben solch einen „kurzen“ Zyklus. Bei den verbleibenden 70 Prozent der Frauen findet der Eisprung nicht einmal zwischen dem 13. und 15. Zyklustag statt, sondern wesentlich früher oder später. Ein Eisprung kann bei Mädchen aber auch schon vor der ersten Regelblutung stattfinden, deshalb sollte auch dann auf Verhütung geachtet werden.

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Irrtum 3: Frauen können den Eisprung am Mittelschmerz spüren.

Eine Studie fand heraus, dass 85 % der Frauen, die angaben, ihren Eisprung zu spüren, falsch lagen. Bei dem einseitigen, ziehenden, stechenden oder auch dumpfen Schmerz handelt es sich in den meisten Fällen um Reaktionen des Dickdarms, der kaum vom richtigen, sogenannten Mittelschmerz unterschieden werden kann – so erfahren eine Frau auch sein mag. Und für den Fall, dass es sich tatsächlich um den Mittelschmerz handelt, bedeutet dies nicht, dass er den exakten Eisprung anzeigt. Er kann sich bereits Tage vor der Ovulation bemerkbar machen – und auch nach dem Eisprung kann es noch zu Schmerzen kommen.

Irrtum 4: In jedem Zyklus findet ein Eisprung statt.

Erkältungen, Blasenentzündungen oder auch eine Magen-Darm-Grippe können dafür verantwortlich sein, dass Frauen von Zeit zu Zeit keinen Eisprung haben. Durch einen Infekt geschieht es schon einmal, dass sich der Eisprung verschiebt oder sogar ganz ausbleibt. Aber auch Medikamente wie Antibiotika können den Zyklus einer Frau stören. Solange dies eher die Ausnahme ist, besteht kein Grund zur Besorgnis. Wenn Untersuchungen ergeben, dass selten oder nie eine Ovulation auftritt, aber ein Kinderwunsch besteht, können bestimmte Medikamente helfen.

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Irrtum 5: Am Tag des Eisprungs ist man am fruchtbarsten.

Es stimmt schon, dass man zum Zeitpunkt der Ovulation am fruchtbarsten ist. Allerdings ist die Eizelle, nachdem sie den Eierstock verlassen hat, nur noch 6 bis 24 Stunden befruchtungsfähig. So kann es passieren, dass eine Frau, wenn sie ganz früh morgens ihren Eisprung, aber erst am Abend Geschlechtsverkehr hat, schon „zu spät dran“ ist. Weil Spermien problemlos mehrere Tage in der Gebärmutter überleben, ist es deshalb ratsam, schon 2 bis 3 Tage vor dem eigentlichen Eisprung Sex zu haben. So können die Spermien im Eileiter auf das reife Ei warten und die Frau verpasst ihre fruchtbarsten Stunden nicht.

Irrtum 6: Dicke Frauen und Leistungssportlerinnen haben keinen Eisprung.

Starkes Übergewicht und zu viel Sport können die Fertilität einer Frau zwar negativ beeinflussen, da die Periode bei den Betroffenen häufig ausbliebt oder diese einen sehr unregelmäßigen Zyklus haben, aber ein Eisprung findet in den meisten Fällen dennoch statt. Übergewichtige Frauen leiden häufig unter dem PCO-Syndrom. Dies bedeutet, dass in ihren Eierstöcken zwar viele Eibläschen gebildet werden, aber oftmals kein Ei heranreift. Doch betrifft dies nicht jede Frau, die etwas fülliger ist, bzw. es wirkt sich nicht grundsätzlich negativ auf den Kinderwunsch aus. Frauen mit Kurven können somit durchaus schwanger werden und einen Eisprung haben. Bei Leistungssportlerinnen verhält es sich ähnlich. Sie leiden, genauso wie stark untergewichtige Frauen, häufig an eisprunglosen Zyklen. Doch dies ist keinesfalls die Regel. Auch bei ihnen kann ein Eisprung stattfinden und sie können problemlos schwanger werden.

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Irrtum 7: Man kann während der Periode nicht schwanger werden.

Während der Monatsblutung findet zwar kein Eisprung statt, es ist aber dennoch unter bestimmten Umständen möglich, schwanger zu werden, wenn man während der Periode ungeschützten Geschlechtsverkehr hat. Bei Frauen, die zum Ende ihrer Regel Sex hatten, kann es vorkommen, dass sich am 12. Zyklustag – einem häufigen Zeitpunkt für Befruchtung und Eisprung – noch Spermien in ihrem Körper befinden, denn diese können bis zu 8 Tage in der Gebärmutter oder dem Eileiter überleben. Deshalb sollten Frauen auch während ihrer Periode sicher verhüten. 

Irrtum 8: Nur ein Arzt kann feststellen, wann der Eisprung stattfindet.

Früher war es sicherlich so, dass nur der Arzt den genauen Zeitpunkt für einen Eisprung feststellen konnte. Heute gibt es allerdings verschiedene Möglichkeiten, wie Frauen ihren Zyklus selbst genauer bestimmen können. Neben den etwas ungenauen Ovulationstests oder der Basaltemperatur-Messung gibt es mittlerweile kleine Messgeräte, die entweder in der Scheide, am Arm oder als kleine Ohrstöpsel getragen werden und in kurzen Abständen die Temperatur der Frau messen. Mithilfe einer Software werden die Daten ausgewertet und der Ovulationszeitpunkt kann genau bestimmt werden. Anhand der Daten können dann auch recht zuverlässige Voraussagen für den Zeitpunkt des nächsten Eisprungs erstellt werden.

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Irrtum 9: Ein Ovulationstest zeigt den genauen Termin eines Eisprungs an.

Ovulationstests messen den Gehalt des Hormons LH, welches den Eisprung auslöst, im Urin. Somit zeigen sie zwar an, wenn sich die fruchtbaren Tage einer Frau anbahnen, aber nicht, wann genau der Eisprung stattfinden wird. Wissenschaftler haben jetzt sogar herausgefunden, dass die Konzentration des Hormons erstaunlicherweise nach dem Eisprung am höchsten ist und nicht, wie bisher angenommen, davor. Weiterhin zeigen solche Tests auch nicht an, ob die Konzentration des Hormons hoch genug ist, um einen Eisprung auszulösen. Sie dienen also nur als grobe Orientierung.

Irrtum 10: Eine vollstillende Frau hat keinen Eisprung.

Frauen, die stillen, haben das Milchbildungshormon Prolaktin in ihrem Körper, das häufig den Eisprung hemmt. Somit ist es eher unwahrscheinlich, dass stillende Frauen gleich wieder schwanger werden, aber es ist auch nicht ausgeschlossen. Einige Frauen haben bereits 6 bis 8 Wochen nach der Entbindung wieder einen Eisprung und somit die Möglichkeit einer erneuten Schwangerschaft, obwohl sie noch voll stillen. Für solche, die gar nicht oder nur teilweise stillen, gilt dies erst recht. Frauen sollten auch nach dem Ende des Wochenflusses auf eine ausreichende Verhütung achten, denn eine schnell nachfolgende Schwangerschaft belastet den Körper sehr und das Risiko für Komplikationen steigt.

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Irrtum 11: Es gibt immer nur einen Eisprung pro Zyklus.

Das ist so nicht ganz richtig, sonst würde es auf natürlichem Wege nicht zu zweieiigen Zwillingen kommen. Auch wenn dieses Phänomen sehr selten ist, kommt es vor, dass mehrere Eier (meistens 2) aus den Eierstöcken freigesetzt werden können. Dies geschieht immer im Abstand weniger Stunden innerhalb eines Tages und wird als multipler Eisprung bezeichnet. Es ist aber nicht möglich, dass der zweite Eisprung erst mehrere Tage nach dem ersten erfolgt, da die Konzentration des Progesterons im Blut nach einem Eisprung ansteigt und so weitere Ovulationen verhindert werden sollen. Die Eierstöcke der meisten Frauen wechseln sich bei der Freisetzung der Eier ab, bei einem multiplen Eisprung setzen aber beide Eierstöcke im selben Zyklus ein Ei frei. Gründe dafür finden sich oft in der Genetik, in hormonellen Verhütungsmethoden oder in medizinischen Behandlungen, die hormonelle Stimulanzien einsetzen.

Irrtum 12: Am Tag des Eisprungs wird man garantiert schwanger.

Auch wenn viele es nicht glauben können, ist die Chance, schwanger zu werden, ziemlich gering – selbst wenn man den genauen Zeitpunkt des Eisprungs erwischt. Die Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung liegt bei täglichem Geschlechtsverkehr nur bei 37 %. Experten sind sich sogar einig, dass es meist 12 Zyklen dauert, bis eine Frau schwanger wird. Dennoch kann es helfen, den Termin für den Eisprung durch Zykluscomputer oder Temperaturkurven ein wenig einzugrenzen. Mit solch einer Zykluskontrolle erhöht sich die Chance auf eine Schwangerschaft im einzelnen Zyklus aber dennoch nur um wenige Prozentpunkte.

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Über den weiblichen Zyklus gibt es wohl noch viel Gesprächsbedarf, um das lustige, aber teils auch gefährliche Halbwissen vieler junger Frauen und Mädchen zu beenden. Frauen sollten nicht alles glauben, was sie hören, und im Zweifelsfall immer mit ihrem Frauenarzt sprechen. Dieser berät am zuverlässigsten in allen Themen rund um den weiblichen Körper.

Quelle:

Urbia

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