7 Gründe, weshalb Kinder lieber barfuß laufen sollten, und Tipps zum Schuhkauf

Füße bilden das Fundament unseres Körpers. Wenn mit ihnen etwas nicht stimmt, wirkt sich das über Knie, Hüfte und Wirbelsäule bis zum Hals aus. Ein unsicheres Körpergefühl, Haltungsschäden, Gleichgewichtsprobleme und Kopfschmerzen können die Folge sein.

Um Kinderfüße zu schützen, ziehen ihnen viele Eltern schon im Babyalter Schuhe an. Kinderärzte und Orthopäden sehen dies allerdings zunehmend mit Sorge. 7 Gründe, weshalb Ärzte dazu raten, Kleinkindschuhe sowie Lauflernschuhe möglichst selten anzuziehen oder sogar ganz wegzulassen, nennt dir der folgende Beitrag:

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1.) Gesunde Fußentwicklung fördern

Bei Babys ist die Fußmuskulatur noch kaum ausgebildet. Für eine gesunde Entwicklung der Füße ist daher viel Training nötig. Selbst flexible Schuhsohlen gleichen beim Gehen zahlreiche Unebenheiten des Bodens aus – damit wird die Muskulatur jedoch nicht so komplex ausgebildet wie bei Kindern, die vorwiegend barfuß laufen. Physiotherapeutin Monika Bauer: „Mit Schuhen lernt Ihr Baby tatsächlich früher laufen, aber auf Kosten der Fußentwicklung!“ 

Beim Gehen stellen Füße und Wirbelsäule eine perfekt aufeinander abgestimmte Einheit dar, die den Bewegungsablauf koordiniert. Ist etwa die Zehenbeweglichkeit durch die Schuhe eingeschränkt, kann das Konsequenzen für das Abrollverhalten des Fußes sowie spätere Fehlstellungen zur Folge haben. „Schon Säuglingen werden Schuhe angezogen. Die ersten Gehversuche müssen mit sogenannten Lauflernschuhen gemacht werden. Die natürliche Funktion des Fußes wird dadurch eingeschränkt“, warnt Dr. Kathrin Hochmuth, Kinderorthopädin an der Uniklinik Frankfurt. Barfußlaufen ist dagegen die beste Vorsorge gegen Senk-, Spreiz- und Plattfüße.

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2.) Körpergefühl stärken

Gleichzeitig wirkt sich Barfußlaufen positiv auf die gesamte Körperkoordination aus. Mediziner sehen ein Problem darin, dass die Aufmerksamkeit für Feinmotorik heutzutage fast nur auf Finger und Hände gelenkt wird. Dabei sollten vor allem Kinder, die motorische Schwierigkeiten haben, häufig ohne Schuhe laufen. Das fördert die natürliche Neugier und ein sinnliches Gespür für den Körper und das Gleichgewicht.

Bei den Kleinsten sollten Schuhe eigentlich nur in Ausnahmefällen – also als Kälte-, Nässe- und Verletzungsschutz – zum Einsatz kommen, meint Monika Bauer. Und auch Dr. Hochmuth empfiehlt: „Viel Barfußlaufen, damit ein Fußgefühl entsteht, dass man balanciert, die Füße aktiv bewegt.“  

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3.) Kindliche Fehlstellungen ausbessern

Fehlstellungen der Füße kommen bei Kleinkindern immer wieder vor. Mal sind die Füße leicht nach innen gebogen, mal die Fersen nach außen abgeknickt. Außerdem haben fast alle Kinder in den ersten drei Lebensjahren Plattfüße.

Orthopäden sind heutzutage jedoch zurückhaltend, bei solchen Fußfehlern Einlagen oder gar operative Eingriffe zu verordnen. Stattdessen wird eine Kräftigung der Muskulatur durch häufiges Barfußlaufen empfohlen, möglichst auf verschiedenen – harten, weichen, geraden und unebenen – Oberflächen. Das erübrigt in den meisten Fällen weitere Maßnahmen.

Sollte dein Kind Probleme mit den Füßen haben, hinken oder über Schmerzen klagen, berät dich dein Kinderarzt genauer.

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4.) Erworbene Fehlstellungen verhindern

Dafür, dass sich kindliche Fehlstellungen bei vielen nicht verwachsen, sondern dauerhaft bestehen bleiben oder sich sogar noch verschlimmern, ist neben einer zu einseitigen Belastung oft auch unpassendes Schuhwerk verantwortlich. Das zeigten Studien in Kindergärten: Zwei von drei Kindern unter 6 Jahren tragen zu kleine, zu enge oder anderweitig unpassende Schuhe. Manche Schuhe sind bis zu vier Nummern zu klein, speziell Hausschuhe. „98 Prozent aller Kinder kommen mit gesunden Füßen zur Welt, doch haben bereits 12 Prozent aller Kindergartenkinder einen Fußfehler“, so Dr. Andrea Schmelz

Das Tückische: Da Kinderfüße noch weich und formbar sind, merken die Kleinen oft kaum etwas davon. Im Gegenteil, Kinder gleichen die Fehler des Schuhs aus, indem sie zum Beispiel Zehen und Ballen versteifen oder schräg über die Fußaußenseite abrollen. Damit sich diese antrainierten Fehlstellungen nicht mit dem nächsten Schuhkauf fortsetzen, sollten Kinder im Schuhladen immer erst eine Zeitlang in Strümpfen herumlaufen, bevor sie ein neues Paar anprobieren.

Weitere nützliche Tipps für den Schuhkauf mit Kindern findest du am Ende dieses Artikels.

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5.) Fußpilz verhindern

Kinderfüße schwitzen sehr viel leichter als Erwachsenenfüße. Kinder tollen ja auch mehr herum. Umso größer ist aber auch die Gefahr für Fußpilz.

Zwar lässt sich Fußpilz recht einfach mit entsprechenden Salben behandeln. Bei Kindern kann sich die Krankheit jedoch leicht auf den ganzen Körper ausbreiten: Sie kratzen sich in der Nacht am Fuß und fassen sich danach womöglich ins Gesicht.

Auch deshalb raten Kinderärzte, die Kleinen öfter mal ohne Schuhe herumspringen zu lassen.

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6.) Immunsystem unterstützen

Wer barfuß läuft, stimuliert dabei seine Fußreflexzonen. Das regt die Durchblutung an, wodurch auch das Immunsystem gestärkt wird. Nicht umsonst wird das Barfußgehen in der Kneipp-Therapie als bewährtes Mittel gegen Erkältungskrankheiten eingesetzt. 

Außerdem baut das Barfußlaufen – sowohl bei den Kleinen als auch bei den Großen – Stress ab und hilft gegen innere Anspannung. Kinder können auf diese Weise abends viel besser einschlafen.

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7.) Intelligenz fördern

Nicht zuletzt ist Barfußlaufen auch ein sinnliches Erlebnis. Den Sand unter den Füßen spüren, merken, wie das Gras durch die Zehen streicht, glatte Fliesen, piksender Asphalt – all das regt die Bildung neuronaler Verbindungen im Gehirn an.

Chiropraktikerin Dr. Kacie Flegal ist überzeugt, dass Barfußlaufen auch einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Intelligenz von Kleinkindern hat. Kinder, die barfuß laufen, schulen ihre Aufmerksamkeit, Bodenbeschaffenheit, Bewegung und Positionierung des Fußes aufeinander abzustimmen. Das tun sie schlicht und einfach, um mögliche schmerzhafte Begegnungen mit Bausteinen oder Kanten zu vermeiden. Für das Gehirn bedeutet diese Aufmerksamkeit aber eine Verknüpfung ganz verschiedener Areale. Je komplexer diese Verknüpfungen aufgebaut sind, umso stärker wird auch die Ausbildung der Denkleistung gefördert.

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Ein Blick über den eigenen Tellerrand hinaus zeigt, dass Kinder auch ohne Schuhe laufen lernen. Überhaupt sollten sich Kinder so oft wie möglich barfuß bewegen, um ihre Muskulatur zu kräftigen und um den Boden, der sie trägt, unmittelbar zu erleben.

Gleichwohl kommt man im Alltag nicht ohne Schuhe aus. Da Schuhe jedoch eine der Hauptursachen für Fehlstellungen und Fußfehler sind, sollte beim Kauf einiges beachtet werden:

  • Babys sollten so spät wie möglich Schuhe tragen. Am besten sind Schuhe mit dünner, flexibler Ledersohle, die viele „Bodenerlebnisse“ zulassen.
  • Auch Kinderschuhe sollten eine flexible Sohle haben, die ein Abrollen ermöglicht.
  • Die Fersen brauchen in Kinderschuhen einen sicheren Halt. Rund um die Schuhöffnung darf kein Finger mehr hineinpassen.
  • Kinderfüße wachsen schnell. Miss alle 3 Monate nach, ob die Schuhe noch passen. Auch die Hausschuhe im Kindergarten!
  • Verlasse dich beim Schuhkauf nicht auf die angegebenen Größen. Eine Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass 87 Prozent der angegebenen Schuhgrößen fehlerhaft sind.
  • Verzichte auf die „Daumenprobe“. Zeichne besser die Fußform deines Kindes auf ein Stück Pappe, rechne an den Zehen 12 Millimeter dazu, schneide die Form aus und lege sie in den Kinderschuh. Nun hast du einen ersten Anhaltspunkt, ob der Schuh passen könnte.
  • Nimm das Kind jedoch zum Schuhkauf immer mit. Meide Schuhläden mit Fernseher, das lenkt dein Kind nur ab, sodass es dir nicht sagen kann, ob der Schuh irgendwo drückt.
  • Lass dein Kind erst eine Weile ohne Schuhe herumlaufen, bevor es neue Schuhe anprobiert.

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Viel Barfußlaufen und passende Schuhe sind das A und O für eine gesunde Fußentwicklung. Bei Babys und Kleinkindern sollten Lauflernschuhe das Barfußlaufen nie ersetzen, sie sollten nur eingesetzt werden, wenn es wirklich nötig ist. Um gehen zu lernen, brauchen Kinder keine Schuhe.

Dass Babys ohne Lauflernschuhe nicht richtig gehen lernen, ist nichts weiter als ein Mythos. Weitere 8 Kinder-Mythen, die so nicht stimmen, erfährst du in diesem Beitrag.

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