Kreidezähne: was Eltern über MIH wissen müssen

Immer häufiger werden bei Kindern sogenannte „Kreidezähne“ diagnostiziert. Bereits wenn sie aus dem Zahnfleisch stoßen, weisen die Zähne weiße bis bräunliche Flecken auf. Ihre Oberfläche ist matt und teilweise so porös, dass sie beim Kauen einfach abbrechen oder zerbröseln.

In der Fachsprache heißt das Phänomen Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) und bereitet den Medizinern große Sorge. Denn mittlerweile sind schätzungsweise 10 bis 15 % aller Kinder davon betroffen. Bei der Gruppe der 12-Jährigen sind es sogar 30 % – womit die Kreidezähne sogar häufiger auftreten als Karies.

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Was Eltern unbedingt über die neue „Volkskrankheit“ wissen sollten, erfährst du in diesem Beitrag:

1.) Kein rein kosmetisches Problem

Die fleckigen Zähne bei MIH sind nicht einfach nur unschön. Sie sind Folge einer Mineralisierungsstörung des Zahnschmelzes. Normalerweise sorgt der Zahnschmelz dafür, dass die Zähne stabil und gesund sind. Bei MIH ist der Schmelz jedoch nicht ausreichend mit Mineralien versorgt und daher brüchig und schwach. Beißt man auf etwas Hartes, kann der Zahn absplittern oder zerkrümeln. Zudem ist der poröse Zahnschmelz ein Einfallstor für Karies.

2.) Viele, aber nicht alle MIH-Zähne sind empfindlich

Da der Zahnschmelz die Zähne nicht ausreichend schützt, können MIH-Zähne extrem empfindlich sein. Die Kinder haben Schmerzen beim Zähneputzen oder beim Trinken kalter und heißer Getränke. Eltern sollten beim Zähneputzen dann auf besonders weiche Borsten achten und die Kinder mit lauwarmem Wasser nachspülen lassen.

Allerdings reagieren – zum Glück – nicht alle Kinderzähne gleich empfindlich. Nur weil ein Kind keine Schmerzen hat, ist das also noch kein Grund, MIH auszuschließen.

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3.) Genaue Ursache noch unbekannt

MIH betrifft in den meisten Fällen die bleibenden Zähne. Manchmal einen, manchmal mehrere. Das Problem entsteht bereits, während sich die Zähne noch im Kiefer entwickeln – die Ursache muss demnach im Zeitraum zwischen dem 8. Schwangerschaftsmonat und dem 4. Lebensjahr liegen. Was genau der Grund ist und warum MIH seit den frühen 1990er Jahren stetig zunimmt, ist aber leider unklar. Forscher vermuten, dass hier mehrere Faktoren zusammenwirken.

Zu den Hauptverdächtigen gehört die immer stärkere Verbreitung von Weichmachern (Bisphenol A), die etwa in Plastikverpackungen, Getränkeflaschen oder Frischhaltefolie enthalten sind. Die Einnahme von Medikamenten von Mutter und Kind könnte sich ebenfalls auf die Zahnentwicklung auswirken. Ganz auszuschließen ist außerdem nicht, dass das Phänomen bislang einfach nur zu wenig bekannt war und daher auch nicht entdeckt wurde.

4.) Vorbeugen und schützen

Wo die genaue Ursache unbekannt ist, kann man leider auch nicht gezielt vorbeugen. Allerdings raten Kinderärzte dazu, dass Eltern vor allem im ersten Lebensjahr des Kindes den Kontakt mit Weichmachern reduzieren: etwa indem sie auf BPA-freies Spielzeug achten oder Lebensmittel gleich nach dem Kauf aus der Plastikverpackung nehmen.

Darüber hinaus ist bei MIH ein äußerst sorgsamer Kariesschutz nötig. Dazu zählen zum einen eine gründliche Zahnpflege und der regelmäßige Besuch beim Zahnarzt. Zum anderen aber auch der Verzicht auf unnötige Zahnkiller wie Fruchtsaft aus Nuckelflaschen, Kaubonbons und Ähnliches.

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5.) Frühzeitig zum Zahnarzt

Besonders auffällig sind Kreidezähne bei den Schneidezähnen. Aber auch die Backenzähne können betroffen sein. Ein Besuch beim Kinderzahnarzt ist daher unerlässlich, um MIH frühzeitig zu erkennen und eine Verschlimmerung des Zustands aufzuhalten. Am besten plant man den ersten Kontrollbesuch, sobald alle Milchzähne da sind – also etwa mit 2,5 bis 3 Jahren.

Leider lässt sich der kaputte Zahnschmelz nicht wiederherstellen. Aber je nachdem, wie stark die Schädigung ausgeprägt ist, gibt es unterschiedliche Behandlungsmethoden, um den Zahnschmelz zu unterstützen: von Fluorid-Gelees über Fluoridlacke bis hin zu Versiegelungen. Bei Kindern, die unter Schmerzen leiden oder deren Zähne brüchig sind, kann es auch sein, dass eine künstliche Zahnkrone der richtige Weg ist.   

Da die Behandlung von MIH-Zähnen sehr behutsam erfolgen muss und auch die richtige Kommunikation mit den Kindern wichtig ist, empfiehlt es sich, zu einem ausgewiesenen Kinderzahnarzt statt zu einem „normalen“ Zahnarzt zu gehen. Auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde findest du Ärzte, die sich mit genau dieser Problematik auskennen.

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6.) Nicht immer ist es MIH

Flecken auf dem Zahnschmelz sind zwar unter Umständen ein Hinweis auf MIH. Es können aber auch andere Gründe dafür verantwortlich sein:

  • Treten die weißen Flecken erst mit der Zeit auf, ist das ein deutliches Zeichen für beginnenden Karies.
  • Weiße Stellen auf einem bleibenden Zahn können auch Zeugen eines Sturzes sein: Schlägt ein Kind mit den Milchzähnen auf, kann die Erschütterung auf dem sich darunter entwickelnden Zahn ein bleibendes Mal hinterlassen.
  • Bei festen Zahnspangen entstehen oft weiße Flecken unter den Brackets, weil der Zahnschmelz dort angegriffen wurde.
  • Auch eine Überversorgung mit Fluorid bei Kleinkindern kann zu Zahnverfärbungen führen. Fluorid kräftigt zwar den Zahnschmelz, in zu hoher Dosierung kann er den Zahnschmelz aber auch spröde machen. Es ist daher wichtig, immer Zahncreme mit altersgerechtem Fluoridgehalt zu wählen. 

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Ob dein Kind unter Kreidezähnen leidet, kann am besten euer Zahnarzt feststellen. Bei einem rechtzeitigen Handeln kann meist Schlimmeres verhindert werden. Gleichwohl sollten Eltern nicht in Panik geraten – bei einer guten zahnärztlichen Betreuung und der richtigen Pflege können von MIH befallene Zähne ein ganzes Leben erhalten bleiben. 

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