7 Tipps, um richtig auf einen Trotzanfall zu reagieren

Gründe, weshalb Kinder einen Trotzanfall bekommen, gibt es unendlich. Von der falschen Farbe des Strohhalms über das falsch geschnittene Brot beim Abendessen bis hin zur Aufforderung der Eltern, nicht mit Stoffschuhen in die nächstbeste Pfütze zu springen – es gibt nichts, was Kinder nicht trotzen lässt.

Ab einem Alter von ungefähr 1 ½ Jahren beginnt die sogenannte Trotzphase und endet erst ungefähr mit dem Beginn des vierten Lebensjahrs. In dieser Zeit versuchen Kinder, sich von den Eltern abzulösen und wagen die ersten Schritte in Richtung Selbstständigkeit. 

Wo vorher ein deutliches „Nein!“ ausreichte, um die Kleinen beispielsweise von einer heißen Herdplatte fernzuhalten, sehen sich die Eltern nun einer neuen Situation und einem neuen Verhaltenszug ihres Kindes gegenübergestellt. Für die Eltern bedeutet das: Die Kinder brüllen und toben häufig vor Wut.

pint_einleitung

Selbst wenn die Trotzphase als positiv für die Entwicklung des Kindes anzusehen ist, ist der Umgang mit ihr für viele Eltern sehr schwer. Die Gefühlswelt des Kindes erscheint ihnen so fremd, dass sie häufig nicht wissen, wie sie richtig reagieren sollen.

Was ist ein Trotzanfall?

Kinder entwickeln in der Trotzphase ihre Persönlichkeit und ihren eigenen Willen. So handelt es sich bei einem Trotzanfall um einen besonders hartnäckigen und impulsiven emotionalen Ausbruch, mit dem das Kind versucht, seinen Wunsch oder seine Meinung durchzusetzen. Die Wut ist somit Ausdruck der beginnenden Selbstbehauptung des Kindes.

pint_einleitung2

Auslöser sind oftmals Situationen, in denen Kinder in ihrem eigenen Bestreben eingeschränkt werden, ihre Erwartungen nicht erfüllt werden oder Handlungen, deren Sinn sie nicht verstehen. Aber auch die Unterbrechung selbstständiger Handlungen, wie das Ausräumen eines Schranks, kann zu Wut aufseiten des Kindes führen. 

Da Kinder in diesem Alter noch nicht die nötige Distanz zu ihren Emotionen aufgebaut haben, kommen diese bei einem Trotzanfall geballt an die Oberfläche. Das Kind wird von Zorn, Frust und Hilflosigkeit förmlich überrollt. Schreien und Weinen sind dabei aber nicht nur Zeichen der Wut, sondern dienen auch dem Stressabbau. Vernünftiges Reden oder logische Argumente bleiben in solchen Momenten auf der Strecke.

pint_einleitung3

Was sich Eltern bei einem Trotzanfall allerdings immer bewusst machen sollten, ist, dass solche Wutanfälle ein unüberlegtes Verhalten des Kindes darstellen. Es steht bei ihnen nicht der Widerspruch im Mittelpunkt, sondern die zunehmende Unabhängigkeit. Deshalb sollte die erste Regel immer lauten: Bleibe ruhig! Dein Kind anzuschreien, hilft absolut nicht! Ganz im Gegenteil. Denn es steht während eines Trotzanfalls quasi neben sich und dein Anschreien macht es nur noch wütender.

Die folgenden 7 Tipps können dir deshalb helfen, richtig mit einem Trotzanfall umzugehen.

1.) Zeige Verständnis!

Zeige Verständnis für die Gefühle deines Kindes und nimm es ernst. Gehe in die Knie und begib dich auf Augenhöhe zu deinem Kind. Schaue es direkt an und sprich mit ihm. Beachte aber, dass einige Kinder Körperkontakt in einer solchen Situation nicht aushalten können.

Gib deinem Kind zu verstehen, dass du seine Gefühle hörst, siehst und auch nachvollziehen kannst, warum es gerade so wütend und auch hilflos ist. Sätze wie: „Ich sehe, dass du …“ oder: „Ich kann gut verstehen, dass du dich ärgerst“, sind ein guter Anfang, um das Kind anzusprechen. Versuche für das, was es fühlt, Worte zu finden und hilf ihm dabei, seine Gefühle zu verstehen und einzuordnen.

Nicht immer wird sich das Kind dadurch sogleich beruhigen lassen. Aber auf diese Weise lernt es, in Zukunft besser mit seinen Gefühlen umzugehen.

pint1

2.) Habe Geduld!

Kontrolliere bei einem Trotzanfall deinen eigenen Frust und deine Anspannung.

Wenn du dennoch das Gefühl hast, dass das nicht funktioniert und du keine Geduld mehr hast, nimm dir die Zeit, dich selbst wieder zu beruhigen. Stehe auf oder verlasse den Raum und atme bewusst tief ein und aus, bevor Wut, Verzweiflung und Hilflosigkeit überschäumen. Übereilte Drohungen und Vergeltungsmaßnahmen oder gar Schläge sollten niemals Mittel sein, um elterliche Interessen durchzusetzen und ein Kind zur Vernunft zu bringen.

Sollten sich die Eskalationen häufen und zu sehr an deiner Geduld zerren, findest du Hilfe bei einer Erziehungsberatungsstelle. 

3.) Versuche, dein Kind abzulenken!

Besonders in der Öffentlichkeit lassen sich Trotzanfälle leider nicht aussitzen. In einem solchen Fall – wie zum Beispiel in der Schlange an der Kasse – kannst du es mit einem kleinen Ablenkungsmanöver versuchen. Bitte dein Kind vielleicht darum, dir dabei zu helfen, den Einkauf aufs Band zu legen und mach einen kleinen Wettkampf daraus, wer die meisten Teile schafft. 

Vor allem in der Frühphase eines Trotzanfalls hilft Ablenkung häufig dabei, die Wut nicht allzu sehr hochkochen zu lassen. Durch kleine Spiele lassen sich Kinder meistens schnell auf andere Gedanken bringen und sie tun dann Dinge, die sie vorher vielleicht nicht machen wollten. 

pint3

4.) Hinterfrage die Situation!

Zwischen Selbstständigkeit und Fahrlässigkeit verläuft ein schmaler Grat. Einerseits will man sein Kind natürlich in seinen Fähigkeiten fördern, es aber andererseits auch vor Gefahren schützen, die es nicht selbst einschätzen kann. So kommt es schnell zum Streit, wenn das Kind ein Verbot nicht einsehen will.

Hinterfrage deshalb auch ruhig auch einmal deine eigene Reaktion. War es notwendig, deinem Kind in dieser Situation etwas zu verbieten? Hast du Nein gesagt, weil etwas gegen deine Vorstellungen gesprochen hat oder weil man ein Nein in dieser Situation erwarten würde? Oder hast du aus voller Überzeugung Nein gesagt, weil du dein Kind vor etwas schützen wolltest? Suche nach der Ursache, denn womöglich kannst du so einem Trotzanfall das nächste Mal vorbeugen.

5.) Gewähre Mitspracherecht!

Gewähre deinem Kind ein seinem Alter angemessenes Mitspracherecht. 

Wenn es im Winter seine Jacke nicht anziehen will, frag es, was es stattdessen tragen will und biete ihm Alternativen wie den Schneeanzug an. Sollte es sich dennoch nicht beruhigen, gehe nicht einfach ohne Erklärung weg und drohe auch nicht damit, einfach ohne es loszugehen. Das ängstigt dein Kind nur und hilft in einer solchen Situation wenig. Bleibe bei ihm und warte, bis es sich von allein wieder beruhigt hat.

pint5

6.) Quatsche die Dinge nicht tot!

Kinder, die gerade einen Trotzanfall haben, nehmen kaum etwas von dem wahr, dass du ihnen sagst. Formuliere deine Aussagen deshalb so kurz und klar wie möglich. Sollte dennoch nichts von dem, was du gesagt hast, zu deinem Kind durchdringen, warte gemeinsam mit ihm darauf, dass der Anfall vorübergeht und spende in der Zeit Trost. Danach könnt ihr euch gemeinsam daran machen, die Situation und das Problem zu lösen.

7.) Bleibe konsequent, aber durchschaubar!

Bleibe trotz des Wutausbruchs deines Kindes konsequent, aber nachvollziehbar. Kinder brauchen Leitfäden im Leben, nach denen sie sich richten können. So können sie auch nachvollziehen, warum gewisse Dinge erlaubt sind und andere nicht. Sätze wie: „Weil man das so macht“ oder: „Weil es so ist“, sollten nie als Argumente verwendet werden. Dein Kind versteht nicht, wer ‚man‘ ist, und kann auch mit gesellschaftlichen Benimmregeln noch nicht viel anfangen.

Allerdings sollte es auch nicht das Gefühl bekommen, dass alles nach seinem Sturkopf geht. Ein Nein sollte ein Nein bleiben. Denn du wirst noch öfter mit deinem Kind in Konflikte geraten und es soll nicht lernen, seinen Willen mithilfe von Trotzanfällen durchzusetzen.

pint7

Die gute Nachricht ist: Die Trotzphase geht vorbei. Und so sehr die Kinder einen auch manchmal fordern, so wachsen sie doch mit jedem Konflikt. Sie lernen dazu und gewinnen an Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Behalte deshalb die Nerven, so schwer es auch manchmal sein mag. Am Ende kannst du stolz auf ein kompetentes Kind sein, das gut mit Konflikten umgehen kann und in der Lage ist, eigene Lösungen zu finden.

Ein Geheimtipp zum Schluss:

Wenn dein Kind einen Trotzanfall hat und eine Schaukel in der Nähe ist, setzte es hinein und lass es 10 Minuten lang schaukeln. Dadurch wird das Gleichgewichtsorgan im Innenohr angeregt, das für seelische Ausgeglichenheit zuständig ist.

Diese Webseite ist weder dazu gedacht noch geeignet, professionelle Beratungen, Untersuchungen, Behandlungen, Diagnosen, etc. durch Ärzte, Apotheker, Psychotherapeuten, Heilpraktiker und/oder andere medizinische Fachleute zu ersetzen, zu ergänzen oder zu widerlegen. Bitte beachten Sie unsere Nutzungsbedingungen.

Kommentare

Auch interessant